Zum Inhalt springen

In der Baufinanzierung braucht jeder jeden. Banken, Plattformen, Pools, Vermittler, Tippgeber. Jeder hat seine Position. Von außen ist das Spielfeld allerdings ziemlich unübersichtlich, und Transparenz ist nicht gerade die Lieblingsdisziplin der Branche. Also sortieren wir einmal, wer wo steht. Und wo dein Platz sein wird.

Das Spielfeld der Baufinanzierung · von den Kreditgebern bis zu deinen Kunden
Das Spielfeld der Baufinanzierung · von den Kreditgebern bis zu deinen Kunden

Lies die Grafik von oben nach unten: Die Kreditgeber stellen ihre Konditionen auf die Plattformen, die Pools verschaffen dir den Zugang, und du berätst deine Kunden. Oft kommen die auf Empfehlung deiner Tippgeber.

Plattformen: die technische Basis

Ganz oben stehen die Kreditgeber und die Plattformen, über die sie ihre Angebote bereitstellen. In Deutschland gibt es zwei große: Europace von der Hypoport-Gruppe und eHyp von der Interhyp-Gruppe. Erst sie machen es möglich, die Angebote vieler Banken in einer einzigen Software zu vergleichen. Sie sind die Schnittstelle zwischen den Instituten auf der einen und den Vermittlern auf der anderen Seite.

Europace arbeitet mit einem Multi-Pool-Modell. Viele Pools nutzen die Plattform als technische Basis und binden darüber ihre Banken an. Europace kümmert sich um die Technik, der Pool um Vertrieb und Bankverträge. Viele Pools geben ihren Vermittlern auf Wunsch Zugang zu beiden Plattformen und damit zur größtmöglichen Bankenauswahl zu Bestkonditionen.

Für Ratenkredite gibt es zusätzlich spezialisierte Vergleichsplattformen. Über Europace kannst du aber beides vergleichen, Baufinanzierungen und Ratenkredite.

Wie groß ist der Markt der Plattformen?

Groß. Und er wächst. Allein über Europace liefen 2025 Immobilienfinanzierungen über 74,79 Milliarden Euro, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu kamen 7,11 Milliarden Euro Ratenkredite (Hypoport, Januar 2026). Im ersten Halbjahr 2026 waren es 38,31 Milliarden Euro, abgewickelt von rund 800 Partnern (Dr. Web).

Der Plattformmarkt in Zahlen (Europace)
74,79 Mrd. €
Immobilienfinanzierungen 2025, 13 Prozent mehr als im Vorjahr
7,11 Mrd. €
Ratenkredite 2025
38,31 Mrd. €
im ersten Halbjahr 2026, abgewickelt von rund 800 Partnern

Wie viel des Gesamtmarkts über Plattformen läuft, darüber gehen die Zahlen allerdings auseinander. Die Börsen-Zeitung zitierte die Erwartung, dass schon 2025 jede zweite Baufinanzierung über eine Plattform abgeschlossen wird, nach jeder dritten im Jahr 2019 (Börsen-Zeitung). Eine Studie von Baufinex und zeb kommt zu einem vorsichtigeren Bild: 2024 lief demnach „mehr als ein Drittel des Neugeschäfts über Plattformen“, bis 2030 werden rund 44 Prozent erwartet (Cash., Juli 2026).

Wer hat recht? Vermutlich beide, sie zählen nur Unterschiedliches. Auf Europace arbeiten nicht nur freie Vermittler, sondern auch Sparkassen und Volksbanken über eigene Teilmarktplätze. Hypoport selbst schreibt, dass die genossenschaftliche Plattform Genopace und die Sparkassen-Plattform Finmas 2025 ihre Anteile leicht ausgebaut haben, und dass auch freie Vertriebe Anteile gewinnen konnten (Hypoport). „Über eine Plattform“ heißt also nicht automatisch „über einen Vermittler“. Für dich zählt die Richtung, und die ist bei allen Quellen dieselbe: Der Anteil steigt.

Pools: dein Zugang zum Markt

Der Pool versorgt dich mit dem Zugang zu den Vergleichsplattformen. Er bündelt Wissen, bietet Weiterbildung und begleitet dich durch deine Karriere.

Warum brauchst du überhaupt einen Pool? Ein eigener Direktzugang zu Europace ist nur unter strengen Bedingungen möglich. Nach meiner Erfahrung gehört dazu ein Mindestvolumen von rund 300 Millionen Euro. Für einen einzelnen Vermittler ist das unerreichbar. Und selbst mit Direktzugang stündest du vor einer leeren Seite, denn die Verträge mit den Banken schließen die Pools. Erst danach schaltet Europace die Banken auf der Plattform frei.

Jeder Pool hat seine eigene Mischung aus Produkten und Banken. Die Provisionsmodelle ähneln sich oft, sowohl bei dem, was du verdienst, als auch bei dem, was der Pool selbst von den Banken bekommt.

Ein wichtiger Unterschied liegt in der Einreichung:

  • Direkteinreichung: Du reichst deine Fälle selbst bei der Bank ein und sprichst direkt mit ihr.
  • Clearing: Der Pool schaltet sich zwischen dich und die Bank. Eine Clearingstelle prüft deine Unterlagen, bevor sie zur Bank gehen. Das sichert die Qualität. Viele Pools arbeiten so, bis ein Vermittler ein bestimmtes Jahresvolumen erreicht hat.

Vermittler: hier stehst du

Als selbstständiger Vermittler hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du bindest dich an einen Baufimaklerpool und bekommst Zugänge, Weiterbildung, Support und einen Ansprechpartner für alle Fragen deines Alltags. Oder du schließt selbst Verträge mit einzelnen Banken. In der Praxis ist das allerdings unrealistisch. Banken wollen in der Regel keine Einzelkämpfer anbinden, sondern das Geschäft gebündelt über einen Pool bekommen. Und selbst wenn es klappt, verzichtest du auf den Vergleich über den ganzen Markt. Deshalb arbeiten Profis über Plattformen.

Tippgeber: deine wertvollsten Kontakte

Tippgeber führen dir neue Kunden zu, etwa Immobilienmakler oder Steuerberater. Sie bringen die höchste Abschlussquote, denn ihre Kunden kommen mit einer persönlichen Empfehlung im Gepäck. Wichtig: Ein Tippgeber stellt nur den Kontakt her. Sobald er selbst berät oder konkrete Finanzierungen bespricht, braucht er eine eigene Erlaubnis. Wie du ein Tippgebernetz aufbaust, liest du in Teil IV.

Kunden: sie wollen die beste Finanzierung

Preise im Internet vergleichen ist heute selbstverständlich. Fast jeder weiß inzwischen, dass die Hausbank nicht automatisch die besten Konditionen hat. Viele Kunden haben sich auf Immobilienportalen längst umgesehen, bevor sie bei dir am Tisch sitzen.

So läuft das Spiel

Du startest als Vermittler und bindest dich an einen Pool. Er gibt dir Leistungen und den Zugang zu den Vergleichsplattformen. Mit der Zeit wachsen dein Volumen und dein Wissen, und mit beidem dein Einkommen. Achte bei der Wahl darauf, wie der Pool dich am Anfang unterstützt, etwa mit einer hohen Provision von Beginn an statt einer Staffel (Kapitel 17).

Olaf Lippold

Olaf Lippold

Gründer · Vermittlerbetreuer · IHK-Prüfer

Gründer von KREDITPLANET24 und Vermittlerbetreuer bei der FinanzPoint. Seit 2010 in der Baufinanzierung, seit 2016 ehrenamtlicher Prüfer der Sachkundeprüfung für Immobiliardarlehensvermittler bei der IHK Wiesbaden, seit 2026 auch bei der IHK Nord Westfalen. Gemeinsam mit Vincent Richter erklärt er hier, was du für deinen Karriereweg als Finanzierungsvermittler wissen musst.

Mit Olaf sprechen
Station 1 · Orientieren

Welcher Weg passt zu dir?

Eigene Marke, Franchisepartner oder Handelsvertreter: Im kostenlosen Orientierungsgespräch analysieren wir gemeinsam deine Optionen. Wir helfen dir gern bei der Orientierung.

Workbook „Finanzierungsvermittler werden“
Kostenloses Workbook

Dein kostenloses Workbook
„Finanzierungsvermittler werden“

Arbeitsblätter, Checklisten und dein persönlicher Fahrplan zum Ausfüllen – passend zu unseren Fachinhalten vom IHK-Prüfer. Trag dich ein und lade das Workbook sofort herunter.

  • 24 Seiten zum Ausfüllen
  • Im A4-Format
  • Fahrplan und Checklisten
  • Kostenlos als PDF
Möchtest du einen kostenlosen Anruf?

Wir geben dir Tipps zur Ausbildung, zur Selbstständigkeit und zur Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung. Als Dankeschön erhältst du im Gespräch einen Gutschein über 20 % auf die Prüfungsvorbereitung bei Sachkundegurus.